„Frei von der Leber weg“ – Warum Entschuldigungen schlimmer sein können.

Der EU-Kommissar Günther Oettinger, quasi ein regierender Minister Europas, nennt Chinesen also „Schlitzaugen“ und „Schlitzohren“ und meint, mit seiner Entschuldigung wäre das Ganze getan.

Schon immer Freund großer Worte

In seiner Entschuldigung gab er Folgendes zum Besten: „I was frank and open – it was not a speech read-out, but ‚frei von der Leber‘ as we say in German“. Er hat also eine Stehgreifrede gehalten, die er vorher nicht ausgeschrieben hatte.

Herr Oettinger muss aus seinem politischen Werdegang und den damit verbundenen Skandalen wissen, dass er genau solche Situationen besser vermeiden sollte, selbst wenn auch vorbereitete Reden dieses Mannes es schon mal in sich haben können. Es sei daran erinnert, dass er 2007 den NS-Marinerichter Filbinger zum Gegner des Nationalsozialismus erklärt hatte, obschon dieser zurückgetreten war, nachdem mehrere Todesurteile an Deserteuren bekannt geworden waren.

Nur Kühe westlich von Paris

Eher amüsant sind seine Einlassungen zur Diskussion über Stuttgart 21 vom 20.11.2011. Damals wollte er klar machen, warum alle großen Städte Durchgangsbahnhöfe hätten, nur Paris nicht:

„Es stimmt, Paris ist ein Kopfbahnhof. Gare de l’Est. Warum? Weil es westlich von Paris keine Menschen mehr gibt, sondern nur Kühe und Atlantik.“

Calais, Le Havre, Rennes, Brest, Nantes, La Rochelle und Bordeaux, alle von Kühen bewohnt. Wussten Sie übrigens, dass Bordeaux, wenn Paris besetzt sein sollte, ‚Ersatzhauptstadt‘ Frankreichs ist und die gesamte Verwaltung immer noch gedoppelt dort vorgehalten wird? Nun, sei’s drum.

Diese Entschuldigung ist keine – oder: des Pudels Kern

Das, was Günther Oettinger in seiner Entschuldigung jetzt aber zugibt, macht ihn als EU-Kommissar gänzlich untragbar. Er entschuldigt sich, indem er sagt, er habe ganz ‚frank und frei von der Leber‘ weg geredet. Das bedeutet doch nichts anderes, als dass seine beleidigenden Äußerungen das sind, was er meint, glaubt und fühlt, dass es das ist, was er sagen würde, wenn er nicht die ‚Last‘ seines Amtes in sich trüge und seine Äußerungen vor der Öffentlichkeit zensierte. Wie sonst ist das zu verstehen?

Wenn Oettinger also frank und frei herauslässt, was er so denkt und das dabei herauskommt, und wenn Einigkeit darüber besteht, dass seine Äußerungen rassistisch waren – und so habe ich die Kritik an ihm verstanden und teile sie – was leistet sich die EU da für einen Kommissar, der das aber der Öffentlichkeit ‚zuliebe‘ nur nicht rauslässt, was er tatsächlich meint, glaubt und fühlt?

Es sei angemerkt, dass Günther Oettinger nun nicht zurücktritt, sondern vom Posten des Kommissars für ‚Digitale Wirtschaft‘ befördert wird und bald die EU-Haushaltspolitik überwachen soll, also letztlich an Einfluss noch gewinnt, wie im Oktober 2016 verkündet worden ist.

Absurd: Endlich wieder online.

Nach über einem Jahr endlich mal wieder fest entschlossen mich um meine Seite besser zu kümmern, lasse ich es mal drauf ankommen. Jetzt wird eben gebloggt.

Wer politisch unterwegs ist, wird das Problem kennen. Man hat eigentlich keine Zeit sich neben dem Beruf, Familie und Freunden und dem politischen Alltag auch noch um eine Seite zu kümmern. Andererseits ist vor dem Hintergrund der Forderung nach mehr Transparenz so eine Seite durchaus ein Mittel, mit Ihnen in Kontakt zu treten.

Ein einziges Absurditäten-Kabinett

Schließlich passiert im Augenblick aber auch so unendlich viel in unserer Gesellschaft – so viel Absurdes – dass ein Blog vielleicht das Mittel ist, meine Gedanken mit Ihnen zu teilen.  Reichsbürger, Horror-Clowns, Krieg und Terror, das sind alles Themen, wo man sich nur an den Kopf fassen möchte und sich die Frage aufdrängt, ob einfach alle bekloppt geworden sind, oder wo eigentlich das Problem ist. Verrohung der Sitten, des guten Geschmacks? Das reicht nicht. Es ist auch nicht nur Wut, sondern vielmehr Fassungslosigkeit, die einem den Magen umdreht und einen sprachlos macht. Zumindest annähernd. Denn wenn wir alle nur noch sprachlos wären, dann wären wir wirklich verloren.

Ein neuer „Esprit commun“?

Früher brachten einem die Eltern, die Nachbarn, Verwandten und Freunde, meinetwegen auch die Kirche, der Tempel oder die Moschee bei, was dieser „Esprit commun“, also dieser gemeischaftliche Geist ist. Ist das heute nicht mehr so? Doch! Aber es ist überraschend, wie wenige sich daran halten wollen.

Wie kann man nach der deutschen Geschichte allen Ernstes daran glauben, dass die Bundesrepublik Deutschland kein souveräner Staat sein könne? Ungeachtet erfolgter einseitiger Friesldenserklärungen der Alliierten, ihrer Aufforderung eine Verfassung zu erarbeiten aus der Grundgesetz entstand und der 2+4 Verträge? Absurd.

Wie kommt man darauf, dass es eine gute Idee sein könnte, sich zu verkleiden wie ein in einen Laubschredder geratener Hampelmann um andere Leute zu erschrecken? 15 Minuten Ruhm? Schwierig wenn keiner weiß, wer man ist, wenn man eben aussieht wie ein in einen Laubschredder geratener Hampelmann. Und über die Absurdität und Grausamkeit von Krieg und Terror muss man kein Wort verlieren.

Und um meinem Ärger etwas Luft zu verschaffen und das eine oder andere zu kommentieren also:

Absurd: Endlich wieder online.

SPD zum Muezzin-Ruf: „Religionsfreiheit für alle Menschen“

„Der Stadtverband der SPD Gladbeck hat die zahlreichen öffentlichen Meinungsäußerungen zum Thema Muezzin-Ruf zur Kenntnis genommen und die Thematik im Rahmen einer Vorstandssitzung eingehend diskutiert“, so Stadtverbandsvorsitzender Jens Bennarend. Die öffentlichen Beiträge waren für den Vorstand zum Teil nachvollziehbar, andere wiederum beleidigend und herabsetzend.

Die SPD in Gladbeck steht für eine verfassungsrechtlich garantierte Religionsausübung aller Religionsgemeinschaften unter Beachtung sonstiger gesetzlicher Regelungen. Sie hält den im Godesberger Programm von 1959 gefassten Grundsatz auch heute noch für aktuell und unverrückbar:

„Nur eine gegenseitige Toleranz, die im Andersglaubenden und Andersdenkendenden den Mitmenschen gleicher Würde achtet, bietet eine tragfähige Grundlage für das menschlich und politisch fruchtbare Zusammenleben … Die Sozialdemokratische Partei achtet die Kirchen und die Religionsgemeinschaften, ihren besonderen Auftrag und ihre Eigenständigkeit. Sie bejaht ihren öffentlich-rechtlichen Schutz …“

© 2016 Jens Bennarend

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